Arzneimittel-Engpässe: Apotheken arbeiten in Urlaubszeit auf Hochtouren an Versorgung der Bevölkerung

Nach dem Jahreswechsel bleibt die Situation in den 1.400 heimischen Apotheken angespannt

(Wien/OTS) – Mindestens 500 Medikamente sind derzeit nicht lieferbar, wie der tägliche Blick auf die entsprechende Liste des BASG (Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen) verrät. Darunter auch einige gängige Medikamente, die angesichts der in diesem Jahr besonders starken Grippe- und Erkältungssaison aktuell stark nachgefragt werden. Die österreichischen Apothekerinnen und Apotheker sind auch über die Weihnachtsferien unermüdlich im Intensiveinsatz, um die Versorgung der Patientinnen und Patienten trotz der Lieferengpässe weiter sicher zu stellen. 

Die Ferienzeit zum Jahreswechsel ist für Österreichs Apotheker traditionell sehr arbeitsintensiv. Patientinnen und Patienten suchen bei leichteren gesundheitlichen Problemen wie grippalen Infekten verstärkt Rat in der Apotheke ihres Vertrauens. Aktuell stellen die Lieferengpässe, die auf die hohe Abhängigkeit der Produktion von China und Indien zurückzuführen sind, das Apothekenpersonal vor erhebliche zusätzliche Herausforderungen.

„Die Gesamtsituation auf den globalen Arzneimittel-Märkten erzeugt vor Ort in der Apotheke in Österreich derzeit einen Mehraufwand von mehreren Stunden pro Tag. Wir sehen es als unsere Verantwortung, jede Patientin und jeden Patienten trotz der Engpässe unmittelbar zu versorgen. In rund 95 Prozent der Fälle wird auch direkt in der Apotheke eine Lösung gefunden – durch Abstimmung mit anderen Apotheken, einer Bestellung im Ausland, die Abgabe eines wirkstoffgleichen Medikaments oder auch die individuelle Herstellung eines solchen im apothekeneigenen Labor,“ fasst Alexander Hartl, zweiter Vizepräsident des Österreichischen Apothekerverbands und Apotheker in Wien die Problemlösungsstrategien zusammen. Die Abgabe eines wirkstoffgleichen verschreibungspflichtigen Medikaments bedingt laut gesetzlicher Vorgaben allerdings die Rücksprache mit dem behandelnden Arzt – was in Urlaubszeiten häufig schwer möglich ist.  

Österreich als Arzneimittel-Billigland hat Nachteile am globalen Markt

Die aktuelle Diskussion über die Arzneimittel-Preise in Österreich, die durch den jüngsten Vorstoß des deutschen Gesundheitsministers ausgelöst wurde, begrüßt der Apothekerverband als Interessensvertretung der selbstständigen Apothekerinnen und Apotheker des Landes. „Seit vielen Jahren machen wir die Partner im Gesundheitssystem darauf aufmerksam, dass Österreich im internationalen Wettbewerb in Verknappungssituationen, wie wir sie nun schon länger erleben müssen, einen erheblichen Nachteil hat. Im Zweifelsfall werden von der Industrie jene Länder mit beschränkt verfügbaren Medikamenten beliefert, in denen das Preisniveau deutlich über jenem hierzulande liegt. Wir erleben das tagtäglich im Kontakt mit Kolleginnen und Kollegen in anderen europäischen Staaten“, betont Andreas Hoyer, erster Vizepräsident des Apothekerverbands und Apotheker im niederösterreichischen St. Valentin. 

Über den Österreichischen Apothekerverband

Der Österreichische Apothekerverband ist die freiwillige Interessenvertretung der selbständigen Apothekerinnen und Apotheker in Österreich. Nahezu 95 Prozent der Apothekeninhaber sind Mitglieder des Apothekerverbandes, der sie in politischen, wirtschaftlichen, rechtlichen und fachlichen Belangen nach innen und nach außen vertritt. Im Fokus der Verbandstätigkeit steht die Sicherung der wirtschaftlichen Zukunft der Apotheken, damit diese ihre Aufgaben für die Gesundheit der österreichischen Bevölkerung bestmöglich erfüllen können. Als verantwortungsvoller und essenzieller Akteur im österreichischen Gesundheitssystem gestaltet der Apothekerverband die Zukunft der Apotheken – im Sinne seiner mehr als 1.400 Mitglieder – aktiv mit und rückt deren große Bedeutung für Österreich ins Bewusstsein von Politik und Bevölkerung.