Gebarungsvorschau der Sozialversicherungsträger zeigt coronabedingt für 2020 ein Minus von 619 Millionen Euro

Wien (OTS) – am 17. August 2020: Die Sozialversicherungsträger ÖGK, PVA, SVS, BVAEB und AUVA* haben vor kurzem die aktuellen Zahlen für den Rechnungsabschluss 2019, die vorläufige Erfolgsrechnung 2020 und die Gebarungsvorschau 2021-2024 vorgelegt. Laut Vorgaben des Gesundheitsministeriums mussten die Sozialversicherungsträger die Daten bis 15. August melden, der Dachverband der Sozialversicherungsträger stellt auf Basis dessen nun eine Gesamtdarstellung zur Verfügung.

Rechnungsabschluss 2019

2019 lag das Ergebnis der Krankenversicherungsträger bei einem Minus von 118 Millionen Euro, und zwar bei einem Gesamtbudget von rund 20 Milliarden Euro. Die Versicherungsleistungen stiegen um 931 Millionen Euro (+5,1 %) gegenüber dem Vorjahr an. Größter Ausgabenblock war der Spitalsbereich mit 5,2 Milliarden Euro und einem Anstieg um 5 %. Das größte Wachstum im Leistungsbereich verzeichnete hingegen der Bereich der ärztlichen Hilfe und gleichgestellten Leistungen mit einem Anstieg um 6,4 % auf über 5 Milliarden Euro. Der Verwaltungsaufwand betrug 524 Millionen Euro (+7,2 %). Infolge der guten Wirtschaftslage im Vorjahr stiegen die Beitragseinnahmen um 4,0 % auf 16,6 Milliarden Euro. In der Pensionsversicherung wurde das Jahr 2019 über alle Träger mit einem positiven Bilanzergebnis von knapp 2 Millionen Euro abgeschlossen. An Pensionsleistungen wurden 39,4 Milliarden Euro ausbezahlt. In der Unfallversicherung konnte mit einem leichten Plus von 8 Millionen Euro bilanziert werden. Es zeigte sich insbesondere ein Rückgang der Beitragseinnahmen um 2,2 % aufgrund der Reduktion des Beitragssatzes von 1,3 % auf 1,2 %.

Ausblick 2020

Ingrid Reischl, Vorsitzende der Konferenz der Sozialversicherungsträger, fasst die Bilanz-Prognose 2020 zusammen: „Für das heurige Jahr weist die derzeitige Prognose für die Krankenversicherungen ein Minus von 558 Millionen Euro bei einem Gesamtbudget von 20,2 Milliarden aus. Verglichen mit dem Voranschlag (-216 Millionen Euro) hat sich das Bilanzergebnis damit um 342 Millionen Euro leicht verringert. Ein Grund ist hier in der Corona-Krise zu finden. Ging man im Voranschlag 2020 noch von einem Beitragswachstum von 4,1 % aus, zeigt sich aktuell ein Wachstum von nur 1,1 %. Der Entfall an Beitragseinnahmen beläuft sich damit auf rund 512 Millionen Euro, der Großteil davon, nämlich 427 Millionen Euro, entfällt auf die Österreichische Gesundheitskasse ÖGK. Auch die Entwicklungen bei den Medikamenten (+4,7 %) ist besorgniserregend. Die vollen Auswirkungen der Covid-Krise werden voraussichtlich erst ab Herbst schlagend – aktuell wurden Forderungen gestundet, durch eine mögliche Insolvenzwelle Ende des Jahres kann es daher zu weiteren Beitragsausfällen kommen. Die Unfallversicherungen werden das Jahr 2020 voraussichtlich mit einem Minus von 55 Millionen abschließen. Die Auswirkungen von Covid-19 zeigen sich hier insbesondere in der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt. Sowohl Covid-bedingt als auch aufgrund des Minus von rund 500.000 zu betreuenden Versicherten wegen deren Wechsel zur SVS per 1.1.2020 sinken die Beitragseinnahmen in der AUVA, konkret im Vergleich zum Vorjahr um 96 Millionen Euro, im Vergleich zum Voranschlag um 69 Millionen Euro. In der Pensionsversicherung wird ein Anstieg der Pensionsleistungen um 5,7 % auf 41,6 Milliarden im Jahr 2020 erwartet. Die Beitragseinnahmen steigen – wie in der Krankenversicherung – um 1,1 %. 2019 waren es noch 5,3 %.“

Die Gebarungsvorschau 2021 bis 2024, die auf einer sehr vorsichtigen Planung basiert, zeigt über alle Krankenversicherungsträger hinweg ein kumuliertes Minus von 3,3 Milliarden Euro, davon 2,7 Milliarden für die Österreichische Gesundheitskasse. In den Unfallversicherungen wird voraussichtlich im Jahr 2024 wieder ein positives Ergebnis erreicht – und auch in den Pensionsversicherungen wird in den nächsten Jahren nahezu ausgeglichen bilanziert.

Über den Dachverband der Sozialversicherungsträger

Der Dachverband der Sozialversicherungsträger wurde mit 1. Jänner 2020 gegründet. Die Organisation koordiniert und unterstützt die fünf gesetzlichen Kranken-, Unfall- und Pensionsversicherungen ÖGK, SVS, BVAEB, PVA und AUVA und ist unter anderem für Digitalisierungsinitiativen, internationale und rechtliche Angelegenheiten, Statistik, Dienstrecht sowie Arznei- und Heilmittel zuständig. Das geschäftsführende Organ ist die Konferenz der Sozialversicherungsträger. Dieser gehören die Obleute und deren Stellvertreter der fünf Träger an. Am 14. Jänner 2020 wurden SVS-Obmann Peter Lehner als 1. Vorsitzender der Konferenz der Sozialversicherungsträger und die AUVA-Obmann-Stellvertreterin Ingrid Reischl als 2. Vorsitzende gewählt. Die Sitzungsführung rotiert unter den Co-Vorsitzenden halbjährlich. Das Büro des Dachverbands wird von Büroleiter Martin Brunninger und seinem Stellvertreter Alexander Burz geleitet, hat rund 280 Mitarbeiter und seinen Sitz in der Kundmanngasse in Wien-Landstraße.