Krankenkassen erwarten 2019 Defizit von 83 Millionen Euro

Im Vorjahr gab es noch einen Überschuss von 111 Millionen. Die kommenden Jahre könnten deutlich größere Defizite bringen

Insgesamt gehen laut den Hautpverbands-Chef heuer rund 5,2 Milliarden Euro an die Krankenanstalten. Grund für den Anstieg ist die gute Konjunktur: Denn die Beitragszahlungen an die Spitäler orientieren sich am Beitragswachstum. ©ANÖ/Archiv/SVA

(ANÖ/APA/ots)Wien – Die Krankenkassen erwarten für heuer ein Defizit von 83 Millionen Euro. Das geht aus der aktualisierten Prognose des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger hervor. Die Kosten für die Fusion der 21 Sozialversicherungen auf fünf sind nach wie vor nur zum Teil eingerechnet. In den kommenden beiden Jahren könnte sich das Minus dem Vernehmen nach mehr als verdoppeln, Bestätigung gab es dafür aber keine.

Im Vergleich zur Februar-Prognose änderte sich laut den am Mittwoch veröffentlichten Daten nur wenig: Damals rechnete der Hauptverband mit einem Minus von 85 Millionen Euro. Recht fix sind nun schon die Daten für das Jahr 2018: Für das Vorjahr wird ein Gebarungsüberschuss von 111 Millionen Euro ausgewiesen (bei einem Gesamtbudget von 19,3 Milliarden Euro). Zwar muss der endgültige Rechnungsabschluss erst Ende Mai vorgelegt werden – an den Zahlen sollte sich aber nicht mehr viel ändern, sagt Hauptverbands-Chef Alexander Biach.

Kostenfaktor Spitäler

Hauptgrund für das erwartete deutliche Minus 2019 sind laut Biach die hohen Zahlungen der Sozialversicherungen an die Spitäler. „Wir müssen jetzt extrem viel an die Spitäler zahlen. Wir haben für das 2019er-Jahr einen Mehraufwand von 238,7 Millionen Euro“ in diesem Bereich, sagte Biach. Insgesamt gehen laut den Hautpverbands-Chef heuer rund 5,2 Milliarden Euro an die Krankenanstalten. Grund für den Anstieg ist die gute Konjunktur: Denn die Beitragszahlungen an die Spitäler orientieren sich am Beitragswachstum. Diese Formel müsse man überdenken, meinte Biach.

Darüber hinaus verwies er wie schon im Februar auf weitere Kosten-Faktoren, die sich aus der Kassenreform ergeben: So müssen die Kassen nun mehr Gelder an den Privatkrankenanstalten-Fonds zahlen (14,7 Millionen Euro zusätzlich). Und der Pauschalbetrag der AUVA für die Behandlung von Arbeitsunfällen wurde eingefroren, was weitere zehn Millionen Euro kostet. Auch fallen heuer Zahlungen aus dem Strukturfonds, die vom Finanzministerium an die Kassen geflossen sind, weg, was ebenfalls rund zehn Millionen Euro ausmacht.

Kostenfaktor Ärzte

Aufs Budget drücken außerdem die gestiegenen Ärztehonorare, die über das letzte Jahr hinweg ausverhandelt worden sind – mit „teilweise sehr hohen Steigerungen“, so Biach. In Summe bedeute dies knapp 100 Millionen Euro Mehrkosten im Arztvertragsbereich. Teilweise seien diese bereits im letzten Jahr wirksam geworden, teilweise erst heuer, erklärt Biach.

Die Fusionskosten für die Sozialversicherungsanstalten sind in der 2019er-Prognose nur teilweise mitberücksichtigt. Eingerechnet sind jene der gewerblichen Wirtschaft (SVA) und jene der Bauern (SVB), die zur Selbstständigen-Versicherung SVS zusammengeführt werden. Für die SVA fallen sieben und für die SVB drei Millionen Euro an.

Noch nicht im Budget enthalten sind die Fusionskosten der neun Gebietskrankenkassen, die zur Österreichischen Gesundheitskassen (ÖGK) zusammengeschlossen werden. Man müsse abwarten, bis die neue ÖGK ihr Budget erstellt hat, sagt Biach.

Steigendes Defizit

Wie die Fusionskosten das Budget für die kommenden Jahren beeinflussten werden, ist noch unklar. Dem Vernehmen nach dürfte das Defizit 2020 und 2021 deutlich steigen und mehr als doppelt so groß ausfallen wie heuer. Bestätigung dafür gab es seitens des Hauptverbandes nicht.

Betrachtet man die einzelnen Gebietskrankenkassen, so erwarten laut der Prognose heuer nur die Kärntner (plus 12,7 Millionen Euro) und die steirische Kasse (plus 15,6 Millionen) ein positives Ergebnis. Im Burgenland rechnet man mit einem ausgeglichenen Ergebnis, alle anderen prognostizieren ein Minus.

Überschuss im Vorjahr

Deutlich besser als ursprünglich erwartet – und auch besser als noch in der Februar-Prognose – ist dafür das vergangene Jahr 2018 gelaufen, mit dem erwähnten Überschuss von insgesamt 111 Millionen Euro. Im November war man noch von einem Plus von 40 Millionen und im Februar gar noch von einem Minus von 41 Millionen Euro ausgegangen.

Biach sprach diesbezüglich von einem „schönen Ergebnis“, vor allem auch in Hinblick darauf, dass man auch viel in Leistungen investiert habe, wie er etwa mit Blick auf die für Kinder bis 18 Jahre nun kostenlose Mundhygiene anmerkte. Einsparungen seien im Verwaltungsbereich gelungen: Hier habe es nur einen Zuwachs von zwei Prozent gegeben, während das Beitragswachstum 4,4, Prozent betragen habe.

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