Nierenperfusionsgerät für mehr Erfolg entwickelt

Durchblutet Human-Nieren bis zu 24 Stunden. Das Gerät wurde unter Federführung einer Innsbrucker Medizinerin erforscht und entwickelt. Es soll zu einer qualitativ besseren und häufigeren Transplantationen führen.

(ANÖ/APA). Der Transplantationsmedizin dürfte ein neuer Erfolg beschert sein: Erstmals wurde ein transportables normothermes (unter Bedingungen normaler Körpertemperatur; Anm.) Nierenperfusionsgerät entwickelt, das menschliche Nieren bis zu 24 Stunden durchbluten kann. Wahrscheinliche Folge: Qualitativ bessere und häufigere Transplantationen, sagte Transplantationschirurgin Annemarie Weißenbacher.

Die junge Oberärztin an der Universitätsklinik für Viszeral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie der Medizinischen Universität Innsbruck und Postgraduate-Absolventin der Universität in Oxford (Oxford Transplant Centre, Nuffield Department of Surgical Sciences) war federführend an der Entwicklung des Prototyps in Großbritannien beteiligt. Im Herbst starten in Oxford die Klinischen Studien an Patienten, die auf eine Nierentransplantation warten. Für die Zeit danach sieht Weißenbacher gute Chancen, dass aus dem Gerät ein sogenanntes Medizinprodukt wird, das im Regelbetrieb eingesetzt werden kann – natürlich auch in Innsbruck.

Nieren am Laufen halten

Mehr als 30 menschliche Nieren, die für eine klinische Transplantation nicht geeignet waren, wurden erfolgreich 24 Stunden lang mit dem neuen Gerät normotherm perfundiert, also wie im menschlichen Körper durchblutet, so Weißenbacher. In allen Fällen habe die Perfusion den ursprünglichen Zustand des Nierengewebes beibehalten oder ihn sogar verbessert. Da Nieren in 24 Stunden mehr als zwei Liter Urin ausscheiden können, wurde ein neuartiger Ansatz zur Rückführung des Urins verwendet: die sogenannte Urinrezirkulation. Der Urin wird quasi wieder retour transferiert. Damit wurde die Aufrechterhaltung des Volumens der Flüssigkeit für die künstliche Durchströmung des Organs sowie der Homöostase (Aufrechterhaltung des Systems-Gleichgewichtszustands, Anm.) ermöglicht.

Im Gegensatz zur bisher verwendeten Eisbox werden durch das neue Gerät Blut, Sauerstoff und Nährstoffe bei normaler Körpertemperatur zugeführt, damit sich die Niere vom Spendeprozess erholen kann. Da die Niere während der Konservierung funktioniert, ist es auch möglich, ihre Funktionsfähigkeit vor der Transplantation zu testen. Das Organ könne nicht nur wiederbelebt, sondern dessen Qualität durch Tests vor der Transplantation verbessert werden. Durch den neuen Nierenperfusionsprototyp werde immens wichtige Zeit für eine qualitätsvolle Transplantation gewonnen. „Es kann sowohl ein Vorteil erzielt werden für den Empfänger der Niere, als auch zukünftig für die Behandlung und Verbesserung von Organen“, betonte Transplantations-Expertin Weißenbacher.

Mehr Organe haben

„Organe wachsen nicht auf den Bäumen“, verwies die Medizinerin auch auf Zahl an Nieren-Transplantationen, die durch die Neuentwicklung in Folge höchstwahrscheinlich steige. Mehr Nieren könnten für Transplantationen verwendet werden. „Im Eurotransplant-Bereich, also der Vermittlungs-Organisation von Organen für Transplantationen in Zentraleuropa (Österreich ist Teil von Eurotransplant; Anm.), werden derzeit 15 bis 20 Prozent der akzeptierten Nieren schlussendlich nicht transplantiert, weil es eventuell zu riskant wäre“, verdeutlichte Weißenbacher Notwendigkeit und Wichtigkeit von neuen Erkenntnissen. Sollte man durch die neue Methode erreichen, dass nur zehn Prozent dieser Nieren erfolgreich transplantiert werden können, dann wäre schon sehr vielen Menschen geholfen, so die Ärztin.

Der Prototyp des Nierenperfusionsgerätes steht derzeit in Oxford, drei weitere werden gerade gebaut, berichtete Weißenbacher. Ihr Ziel sei es, den Prototyp bereits ab Sommer in Innsbruck zu verwenden, um vorerst an Nieren Perfusionen durchzuführen, die nicht zur Transplantation geeignet sind, bzw. um die entsprechende Forschung betreiben zu können.

Teil einer großen Strategie

Dies sei vor allem deshalb von Bedeutung, so Weißenbacher, weil sie inzwischen mit ihren Kollegen Stefan Schneeberger, Leiter der Transplantation und stellvertretender Klinikleiter in Innsbruck, und Oberarzt Rupert Oberhuber auf Basis der sogenannten konfokalen Mikroskopie eine Pilotstudie erstellt habe – mit dem Ziel anhand des Verhältnisses toter oder lebendiger Zellen in der Niere in Form von Punktezahlen eine Prognose über deren Funktionstüchtigkeit nach einer Transplantation zu erstellen. „Das Ergebnis ist: Je besser der Score, desto besser funktioniert die Niere“, sagte die Transplantationschirurgin, die hofft, dass die Ergebnisse der Studie bald publiziert werden. Dies würde eine „ideale Kombination“ mit dem neuen Nierenperfusionsgerät darstellen.

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