Weltnierentag 2019: Erfolgsbilanz zum Vorsorgeprojekt „Gesunde Niere Vorarlberg“

Weltnierentag 2019: Nierengesundheit für alle!

Primar  Prof. Dr. Karl Lhotta, Landeskrankenhaus Feldkirch ©ANÖ/Archiv

(ANÖ). Das Motto des Weltnierentages am 14. März 2019 lautet: Nierengesundheit für alle. Vorarlberg ist diesbezüglich auf Erfolgskurs – dank intensiver Bewusstseinsbildung und hervorragender medizinischer Leistung: Vor zwei Jahren, 2017, startete das Land Vorarlberg gemeinsam mit der VGKK und der Abteilung für Innere Medizin III (Nephrologie und Dialyse) des LKH Feldkirch eine besondere Initiative, das Vorsorgeprojekt „Gesunde Niere Vorarlberg“. Zwei Jahre später wird Bilanz gezogen: Insgesamt wurden 2018 über 7.200 Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt, sie haben sich damit seit 2015 mehr als verdoppelt. Das Projekt ist ein großer Erfolg für die Nierengesundheit, konstatiert Nephrologe Prim. Prof. Dr. Karl Lhotta.

Chronische Nierenerkrankungen sind sehr häufig. Weltweit leiden 850. Mio. Menschen daran, jährlich sterben 2,4 Mio. Menschen an deren Folgen. In den westlichen Industrienationen leiden etwa zehn Prozent aller Erwachsenen an einer chronischen Nierenschädigung. Die Hauptursachen dabei sind Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht und familiäre Veranlagung für Niereninsuffizienz. Der Fokus des diesjährigen Weltnierentages liegt daher auf Prävention, Früherkennung und rasche, effektive Behandlung auf globaler Ebene: Alle Menschen sollten die Möglichkeit zur Prävention, Frühdiagnose und Behandlung von Nierenerkrankungen haben.
Und genau hier kann Vorarlberg eine besondere Erfolgsgeschichte vorweisen: Vor fast genau 2 Jahren starteten das Land Vorarlberg gemeinsam mit der VGKK und der Inneren Medizin III (Nephrologie und Dialyse) des LKH Feldkirch das Projekt „Gesunde Niere Vorarlberg“.

„Wurden im Jahr 2015 noch 3.146 Untersuchungen durchgeführt, konnten wir diese Vorsorgeuntersuchung durch das Projekt Gesund Niere auf über das Doppelte steigern: 2018 führte das Medizinische Zentrallabor 7.240 Albuminuntersuchungen durch“, freut sich Prim. Prof. Dr. Karl Lhotta, Abteilungsleiter von Vorarlbergs Schwerpunktabteilung Innere Medizin III (Nephrologie und Dialyse) über diese enorme Bewusstseinssteigerung in der Bevölkerung. Und weiter: „Diese stetig ansteigende Zahl zeigt, dass das Programm von Patienten und Ärzten gut angenommen wird. Der Dank dafür gilt allen praktischen Ärzten und Internisten in Vorarlberg.“

Möglichkeit der kostenlosen Nierenuntersuchung

Die Niere gehört zu jenen Organen, bei denen eine risikospezifische Untersuchung besonders wichtig für die künftige Lebensqualität sein kann. Denn eine Verschlechterung der Nierenfunktion bleibt oft lange Zeit unbemerkt und ohne Symptome. Erste Anzeichen machen sich bei Patientinnen und Patienten zumeist erst bemerkbar, wenn die Nieren ihre Funktion fast vollkommen eingestellt haben und der Krankheitsverlauf nicht mehr beeinflussbar ist. Ziel des Projektes „Gesunde Niere Vorarlberg“ ist es nun, dass Menschen zwischen 40 und 65 Jahren mit einem erhöhten Risiko für Nierenerkrankung auf eine Nierenschädigung untersucht werden. Dazu gehören Menschen mit Diabetes, hohem Blutdruck, starkem Übergewicht oder Nierenversagen in der Familie. Durchgeführt werden eine Blutabnahme zur Bestimmung der Nierenfunktion sowie eine Harnuntersuchung zur Messung der Albuminausscheidung (Protein) als Hinweis für eine beginnende Nierenschädigung. Beide Untersuchungen sind kostenlos. Bei betroffenen Patientinnen und Patienten wird, falls notwendig, eine Optimierung der medikamentösen Therapie durchgeführt. Sie erhalten Informationen, wie man durch Lebensstil und Ernährung die Nieren schützen kann. Gegebenenfalls erfolgt eine Überweisung zu einem Spezialisten

Die Durchführung des Vorsorgeprojektes erfolgt in enger Kooperation mit der niedergelassenen Ärzteschaft für Allgemeinmedizin sowie Fachärztinnen und -ärzten für Innere Medizin. Finanziert wird das Vorsorgeprojekt aus Mitteln des Landesgesundheitsfonds und aus Mitteln der Sozialversicherung. „Chronische Nierenerkrankungen sind nicht nur häufig, sondern auch gefährlich: Sie können bis zum vollständigen Verlust der Nierenfunktion fortschreiten. Oft führt diese Erkrankung zu Herzkreislaufproblemen wie Herzinfarkt, Herzversagen oder Schlaganfall. Um diese katastrophalen Folgen zu verhindern, sind eine rechtzeitige Diagnose und Therapie unumgänglich“, erklärt Prim. Prof. Lhotta.

Information und Bewusstseinsarbeit zahlen sich aus

Die Zahl neuer Dialysepatienten steigt wieder an, die Babyboomer kommen ins Dialysealter. Erfreulich ist allerdings der Rückgang der Patienten, die wegen eines akuten Nierenversagens an der Inneren Medizin III dialysiert werden mussten. So verzeichnete Vorarlberg von 2015 bis 2018 mit 37, 43, 43 und 48 neuen Patientinnen und Patienten jeweils nur einen geringen Zuwachs.. Österreichweit gab es 2017 132 Neuerkrankungen pro Million Einwohner, in Vorarlberg hochgerechnet 128. Die jährliche Zahl der Nierentransplantationen ist in ganz Österreich relativ konstant. Im Jahr 2018 erhielten 18 Vorarlberger eine Spenderniere. Seit 2012 wurden aus Vorarlberg 131 Patienten transplantiert. Die Gesamtzahl der nierentransplantierten Patientinnen und Patienten ist in diesem Zeitraum von 227 auf 270 gestiegen. Hochgerechnet auf eine Million Einwohner wären das 700 Patientinnen und Patienten – ein Spitzenwert auch im globalen Vergleich.

Ausblick: Neue Behandlungsmöglichkeit bei Nierenschäden durch Diabetes
Prof. Lhotta blickt optimistisch in die Zukunft und berichtet über weitere Entwicklungen: „Vor 25 Jahren wurden erstmals spezielle Blutdruckmedikamente in die Routinebehandlung aufgenommen, die insbesondere bei Nierenschäden durch Diabetes einen positiven Effekt auf den Verlauf der Nierenerkrankung hatten. Ganz aktuell werden neue Medikamente, die sogenannten SGLT2-Hemmer in die Behandlung von Patienten mit Diabetes eingeführt. Die SGLT2-Hemmer führen zur Ausscheidung von Blutzucker über die Nieren. Sie senken nicht nur den Blutzucker, sondern auch den Blutdruck und das Körpergewicht. Und, so haben einige große Studien ergeben, sie können auch das Fortschreiten einer diabetischen Nierenerkrankung verhindern, insbesondere dann, wenn sie rechtzeitig eingesetzt werden. Gerade deshalb ist es besonders wichtig, dass Patienten mit Diabetes auf ihre Nierenfunktion untersucht werden.“

Statements:

Gesundheitslandesrat Dr. Christian Bernhard, Vlbg. Landesregierung

Der Weltnierentag bietet die Gelegenheit, diesem wichtigen Organ besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Es ist sehr erfreulich, dass die Zahl der akuten Nierenversagen weiter rückläufig ist, daneben aber ist die Zahl der Dialysepatienten demografisch bedingt wieder im Steigen begriffen. Mit dem Zielsteuerungsprojekt „Gesunde Niere Vorarlberg“ soll die Früherkennung und Behandlung von Nierenerkrankungen weiter entwickelt und gestärkt werden. Dies wird durch Informationsveranstaltungen für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sowie Aufklärung und Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung erzielt. Rechtzeitige Diagnose und Therapie kann nicht nur einer Chronifizierung der Krankheit vorbeugen sondern auch das Risiko weiterer Komplikationen wie zB Herzinfarkt oder Schlaganfall vermeiden helfen. Dass in Vorarlberg die gesamte im Zuge der Transplantation erforderliche Vorsorge und Nachsorge ausschließlich über die Nephrologie und Dialyseabteilung am LKH Feldkirch erfolgt, garantiert zusätzlich eine sehr gute Qualität der Patientenversorgung.
Ich danke dem Team der nephrologischen Abteilung am LKH Feldkirch und dabei ganz besonders dem persönlichen großen Engagement von Primar Prof. Dr. Karl Lhotta, dem es zu verdanken ist, dass Vorarlberger Patientinnen und Patienten eine optimale und österreichweit herausragende Versorgung im Bereich Nierenerkrankungen gewährleistet werden kann.

Dr. Ulrich Tumler, stv. Leitung VGKK;

Das Projekt hat unsere Erwartungen mehr als erfüllt. Jede Patientin / Patient, der bzw. dem wir das Schicksal einer Dialyse oder einer Nierentransplantation ersparen können, ist ein zweifacher Gewinn. Einerseits aufgrund der Kosten und andererseits vor allem aufgrund der erhaltenen Gesundheit und Lebensqualität der betroffenen Patientinnen / Patienten.

ZAHLEN IN ÖSTERREICH
 über 9.000 Patienten mit chronischem Nierenversagen
 jährlich über 1.200 neue Patienten mit chronischem Nierenversagen
 geschätzte 1 Million Menschen mit Hinweisen für Nierenschädigung
 geschätzte 200.000 Menschen mit deutlich eingeschränkter Nierenfunktion
Nur ein Bruchteil der Patienten mit chronischer Nierenerkrankung wird diagnostiziert und behandelt. Die Folgen sind vermehrt chronisches Nierenversagen und Herzkreislauferkrankungen.

ZAHLEN IN VORARLBERG
Nephrologie-/Dialyse-Patienten (Nierenersatztherapie)
 1.000 stationäre und 5.000 ambulante Patienten pro Jahr
 14.000 Dialysebehandlungen pro Jahr im LKH Feldkirch
 80 Patienten pro Jahr, die aufgrund eines akuten Nierenversagens eine Nierenersatztherapie benötigen
 Mehrere hundert Patienten in Vorarlberg mit akuter Nierenschädigung
 Jedes Jahr ca. 40-50 neue Dialysepatienten
 Ca. 90 Dialysepatienten aktuell (60% Männer/ 40% Frauen) in Feldkirch
 Ca. 60 Dialysepatienten Dialysestation Bregenz
 Ca. 40 Dialysepatienten Dialysestation Nenzing
 Ca. 25-30 Peritonealdialysepatienten

Transplantationen
 20 Vorarlberger Patienten mit Nierentransplantationen jährlich
 40 Patienten auf der Warteliste
 2 -7 Nierenlebendspenden jährlich

ZAHLEN VORSORGEPROJEKT „GESUNDE NIERE VORALBERG“
Anzahl der durchgeführten Untersuchungen (Albumin/Kreatinin im Harn)
 2015 3146
 2016 4150
 2017 6024
 2018 7240
Diese stetig ansteigende Zahl zeigt, dass das Programm von Patienten und Ärzten gut angenommen wird. Der Dank dafür gilt allen praktischen Ärzten und Internisten in Vorarlberg

ALLGEMEINE ZAHLEN:
 bis zu 10% der Bevölkerung haben Hinweise auf eine Nierenerkrankung
 Über 4.500 Patienten mit chronischer Dialyse in Österreich
 Über 4.500 Patienten mit einem Nierentransplantat in Österreich

 

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