Weihnachten ist (nicht) mehr?

Leitartikel von Egon Saurer

Darstellung der Heiligen Familie ©Pfarre zur Heiligen Famile in Linz

„In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl…“ Wie jedes Jahr wird in den Kirchen und vermutlich auch noch in vielen Häusern und Wohnungen am Heiligen Abend das Weihnachtsevangelium nach Lukas vorgetragen. Der gesamte Text hat es in sich: Der Text bringt die ganze Kraft und Schönheit dieses Festes zum Ausdruck. Und dennoch kann Christen am Ende dieses Jahres alles andere als wohl sein. Seine Religion und Beheimatung scheint – wie schon mehrmals in den letzten zwei Jahrtausenden – in einer Krise zu stecken. Trotz aller Bemühungen den christlichen Kontext dieses Festes zerstören zu wollen ist die kulturelle Kraft dieses Festes unzerstörbar. Selbst in wirrsten Zeiten (auch der Nationalsozialismus und Kommunismus wollte dieses Fest zerstören und verbieten) wurde Weihnachten unter Strafandrohung im Geheimen gefeiert.

* Da bemüht sich eine deutsche Integrationsministerin der CDU (also eine Vertreterin jener Partei, die das Wort“ Christlich“ in ihrem Parteinamen führt) Weihnachtskarten ohne Weihnachten zu verschicken.

* Da wagen die obersten christlichen Anführer aus Deutschland aus purer Feigheit am Tempelberg in Jerusalem das Kreuz nicht zu tragen. Das christlichste Symbol überhaupt: Das Kreuz an dem Christus starb!

* Da wird zum Welt-Aids-Tag im Wiener Stephansdom (der höchsten Kirche Österreichs) ein Spektakel aufgeführt, wo ein Schauspieler mit nacktem Oberkörper auf der Kommunionbank herumtanzt!

* Da müssen sich die Christen in diesen dunklen Tagen auch mit der ökonomischen Misswirtschaft einer „Vertrauten“ des früheren Bischofs von Gurk-Klagenfurt, der nach Sankt Pölten versetzt wurde, auseinandersetzen!

* Und da müssen die Christen fassungslos die weltweiten Missbrauchsskandale an Kindern und Jugendlichen durch Priester der katholischen Kirche erfahren, die ein unverzeihliches und abscheuliches Verbrechen an wehrlosen (meist aus sozial schwierigen Familien stammenden) Schutzbefohlenen verübt haben!

Vielt Halt und Trost bieten die Amtsträger der Kirche derzeit nicht

Viel Trost finden die Christen angesichts dieser Entwicklungen derzeit nicht. Und dennoch dürfte die Strahlkraft dieses Festes all die menschlichen Fehlentwicklungen in Staat, Kirche und Gesellschaft, überdauern. „Der Mensch ist frei geboren“, so lautet das berühmteste Zitat des Philosophen Jean-Jacques Rousseau, „und liegt doch überall in Ketten.“ Und der große Kirchenlehrer Augustinus meinte treffend: „Viele, die drinnen sind, sind draußen, und viele, die draußen sind, sind drinnen“, und meint damit, dass selbst bei den Katholiken Kirchenmitgliedschaft und Glaube nicht unbedingt identisch sein müssen. Obwohl: Man brauche ohnehin „nicht an die Kirche zu glauben“, sondern solle vielmehr „seinen Glauben in der Kirche und mit der Kirche praktizieren“.

Frohe Weihnachten und besinnliche Tage!

Das Weihnachtsevangelium nach Lukas

In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl,
alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen.
Dies geschah zum ersten Mal; damals war Quirinius Statthalter von
Syrien. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen.

So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa
hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt;
denn er war aus dem Haus und dem Geschlecht Davids.
Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten,
die ein Kind erwartete.

Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft,
und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen.
Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe,
weil in der Herberge kein Platz für sie war.

In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten
Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat der Engel des Herrn zu ihnen
und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr.

Der Engel aber sagte zu ihnen:
Fürchtet euch nicht,
denn ich verkünde euch eine große Freude,
die dem ganzen Volk zuteil werden soll:
Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren;
er ist der Messias, der Herr.
Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden,
das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.
Und plötzlich war bei dem Engel ein großes
himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach:
Verherrlicht ist Gott in der Höhe
und auf Erden ist Friede
bei den Menschen seiner Gnade.

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