Schweiz: Die Zahl der Organspenden ist 2016 massiv eingebrochen

Schweiz

Aktuell warten in der Schweiz 1496 Menschen auf ein neues Organ (PDI)

143 Spenden gab es im Rekordjahr 2015 – 2016 waren es über 20 Prozent weniger.

(ANÖ/ZZ). Doch nur darüber reden reicht einigen Politikern nicht mehr. So bringt der Neuenburger Regierungsrat Laurent Favre erneut die Widerspruchslösung ins Spiel – die automatische Zustimmung, wenn man nicht explizit dagegen ist. Vor zwei Jahren wurde der von ihm als damaliger Nationalrat lancierte parlamentarische Vorstoss abgelehnt. «Ich bleibe der festen Überzeugung, dass die Widerspruchslösung, moderat, wie ich sie vorgeschlagen habe, viel bessere Ergebnisse gebracht hätte», sagt Favre. Er gibt aber zu bedenken, dass der Aktionsplan noch mehr Zeit brauche, um Wirkung zu zeigen.

Statt die Widerspruchslösung gabs den Aktionsplan

Doch die sinkenden Organspende-Zahlen machen deutlich: Die Regelung, wie sie Frankreich kennt, ist noch nicht vom Tisch. So sagt die Solothurner SP-Nationalrätin Bea Heim: «Aus Sicht jener, die auf ein Organ warten, wäre eine Widerspruchslösung unbestritten das Beste.» Allerdings glaube sie nicht, dass mit diesem Instrument die Akzeptanz der Organspende bei noch skeptisch eingestellten Menschen gefördert würde.
«Es warten viele Leute auf ein Organ, und das ist kein angenehmes Warten» Der Zuger CVP-Nationalrat und Parteipräsident Gerhard Pfister will keine Gesetzesänderung: «In unserer Gesellschaft soll das der persönliche Entscheid der Menschen bleiben.»

Ähnlich sieht es FDP-Nationalrat Ignazio Cassis: «Die Antwort liegt nicht in einem ideologischen Streit um Zustimmungs- oder Widerspruchslösung.» Vielmehr müsse man die Menschen sensibilisieren und ausserdem für «gut ausgebildetes Fachpersonal sorgen, das Organtransplantationen koordinieren und Verwandte richtig betreuen kann». So wie das in Spanien mustergültig gemacht werde. Und was zur weltweit höchsten Spenderquote geführt habe.

Genau das enthält auch der Aktionsplan «Mehr Organe für Transplantationen». Neben der Kampagne sieht dieser nämlich unter anderem ein Teilprojekt für die entsprechende Ausbildung der Fachkräfte in Spitälern vor. Diese sollen lernen, wie man mit Angehörigen von verstorbenen potenziellen Spendern umgeht. Und das ist laut BAG-Spezialistin Nyfeler wichtig, denn: «Die alleinige Einführung der Widerspruchslösung hätte ohne die Massnahmen des Aktionsplans wohl auch nicht gegriffen.»

Der Modellwechsel alleine nütze nichts, es brauche dafür auch die richtigen Rahmenbedingungen, damit mehr Organe gespendet werden können. «Sehen wir 2018, dass wir die Ziele nicht erreicht haben, müssen wir diskutieren, ob wirklich alle Massnahmen ergriffen wurden.» Allenfalls müsse man dann die Einführung der Widerspruchslösung nochmals diskutieren. «Es warten viele Leute auf ein Organ, und das ist kein angenehmes Warten. Dessen sind wir uns bewusst.»

Auf einen Blick: Organspende in der Schweiz

Aktuell warten in der Schweiz 1496 Menschen auf ein neues Organ. Obwohl 2015 mit 550 Spenden als erfolgreichstes Jahr seit Erfassung gilt, sinkt die Bereitschaft. Noch immer sterben mindestens zwei Menschen pro Woche, die auf der Warteliste stehen. Speziell für junge Patienten ist es schwierig, Organe zu finden.

Auch deshalb ist bei Kindern die Zusammenarbeit mit dem Ausland notwendig. Mithilfe der Kooperation sterben statt 75 mittlerweile nur noch 20 Prozent der Kinder, die dringend auf Organe angewiesen wären.

 

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