Schweiz: Alle zwei Tage ein toter Patient, weil Organe fehlen

Immer weniger Menschen spenden in der Schweiz ihre Organe. In den vergangenen sechs Wochen waren es nur gerade zwei Personen. Die Folgen sind dramatisch.

Pro Monat gibt es in der Schweiz durchschnittlich 25 Hirntote, die als potenzielle Organspender in Frage kämen.
Pro Monat gibt es in der Schweiz durchschnittlich 25 Hirntote, die als potenzielle Organspender in Frage kämen.

(ES/NZZ). Im September wurde ein einziger Organspender erfasst – ein trauriger Negativrekord», so die Bilanz der Stiftung Swisstransplant. CEO Franz Immer hat keine Erklärung dafür: «Ich kann keine Gründe ausmachen», sagt er auf Anfrage der «NZZ am Sonntag».

Die niedrigen Zahlen seien aussergewöhnlich und beängstigend, sagt er. Bereits in der ersten Oktoberhälfte hatte es nur gerade einen einzigen Spender gegeben. Dabei gebe es in der Schweiz pro Monat rund 25 Hirntote, die als potenzielle Organspender in Frage kämen, so Immer.

Bisher hatte Swisstransplant mit etwa sechs bis zehn Spendern pro Monat gerechnet. Die Flaute der letzten Wochen hat schlimme Folgen: Derzeit stirbt jeden zweiten Tag ein Patient, weil er kein Herz, keine Leber oder keine Lunge erhalte.

Organspende scheitert oft an den Angehörigen

Erstmals stehen über 1300 Personen auf der Warteliste für ein Organ. «Die Situation ist gravierend und spitzt sich zu, denn die dringlichen Fälle häufen sich», erklärt Immer.

Oftmals liegt es nicht an den Verstorbenen selbst, dass Organe nicht gespendet werden: Rund 60 Prozent der Angehörigen lehnen eine Organspende des Patienten ab.

Eine Organspende ist heute nur durch eine Zusage des Spenders zu Lebzeiten möglich oder durch den nächsten Angehörigen, sofern es im Sinne des Verstorbenen ist. Die Widerspruchslösung, dass die Organe automatisch gespendet werden, sollten sich Patient oder Angehörige nicht explizit dagegen äussern, findet in der Politik wenig Zuspruch.