Erfolgreiche Operation Ärzte transplantieren einem kleinen Jungen zwei Nieren

MÜNSTER.  Zwei neue Nieren für einen Zweijährigen: Die Uniklinik Münster hat erstmals in der Klinikgeschichte einem kleinen Jungen zwei Nieren gleichzeitig transplantiert. Für das Chirurgenteam war das absolute Präzisionsarbeit. Für den Jungen die Chance auf ein normales Leben.

(ES/MZ). Ein Organ ist etwa vier bis fünf Zentimeter groß. Das kleinste Gefäß hat einen Durchmesser von etwa drei Millimetern.

In den meisten Fällen wird bei einer Nierentransplantation – schon mit Hinblick auf die Organknappheit – lediglich eine Niere transplantiert. Bei sehr jungen Spendern vermittelt Eurotransplant jedoch beide Organe zusammen. So auch bei Lennart aus dem Sauerland. 400 Gramm hatte er nach der Geburt pro Woche zugenommen, fast doppelt so viel wie andere Neugeborene. Mit drei Monaten stellten die Ärzte der Uniklinik eine erbliche Erkrankung fest, die sich durch ausgeprägten Eiweißverlust über den Urin äußert.

„Wir haben dann eine konservative Behandlung begonnen“, erklärt Kindernephrologin Dr. Birgitta Kranz. „Das primäre Ziel war, den Wasserhaushalt zu kontrollieren, da Lennart wegen der großen Eiweißverluste zu übermäßigen Wassereinlagerungen neigte.“ Mit zehn Monaten entfernten die Ärzte dem kleinen Jungen die erste Niere – mit der vagen Hoffnung, dass sich die Eiweißverluste vermindern und er sich stabilisieren würde. Drei Monate später, im Frühjahr 2013, musste jedoch auch die zweite Niere entfernt werden.

Lange Dialyse

Für die Familie aus dem Sauerland folgten lange Phasen der Dialyse – und banges Warten. Denn zum einen sollte ein Kind nach internationalen Standards mehr als zehn Kilogramm wiegen, um transplantiert werden zu können. Zum anderen musste ein passendes Organangebot von einem Baby oder Kleinkind kommen – und das bei der aktuellen Zurückhaltung von möglichen Organspendern.

Doch der entscheidende Anruf kam. Vier Tage vor seinem zweiten Geburtstag setzten Dr. Heiner Wolters und Prof. Daniel Palmes Lennart die beiden Nieren ein. Er erholte sich schnell von der OP.

„Er ist ein anderes Kind und so agil. Es ist ein Segen“, sagen seine Eltern. Mehr als 1,5 Kilogramm hat Lennart seit der OP verloren. Durch die starken Wassereinlagerungen in seinem Körper hat er bisher nicht laufen können. Jetzt wird es vermutlich nur noch wenige Tage dauern.