BRD: Immer längere Wartezeiten für eine neue Niere

„Der Kampf um die Verteilung der Organe wird schärfer“
„Der Kampf um die Verteilung der Organe wird schärfer“

Wer eine neue Niere braucht, muss im Durchschnitt sieben Jahre auf sein neues Organ warten. Das beklagt der Chef des Nierentransplantationszentrums in Halle. Grund für diese hohe Wartezeit sei der Organspende-Skandal im Land.

(ES/MZ). Der Organspende-Skandal hat verheerende Konsequenzen für die Transplantationsmedizin. Zu dieser Einschätzung kommt Paolo Fornara, Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie und des Nierentransplantationszentrums der Universität Halle. Er verweist auf Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation, wonach die Spendenbereitschaft um 20 Prozent zurückgegangen ist. „Der Kampf um die Verteilung der Organe wird schärfer“, sagt Fornara.

Patienten müssen länger auf Spenderorgane warten

Die Folge sei, dass Patienten jetzt länger auf ein Spenderorgan warten müssten – bei Nieren sei die Wartezeit von durchschnittlich fünf Jahren auf etwa sieben Jahre gestiegen. 40 Nierentransplantationen wurden in diesem Jahr in Halle vorgenommen. In den Jahren vor dem bundesweiten Skandal waren es pro Jahr 50 bis 80 derartige Operationen. Die Warteliste, die am Klinikum Halle geführt wird, umfasst mehr als 200 Patienten.

Die längere Wartezeit, so der Mediziner, habe wiederum qualitative Auswirkungen auf das Ergebnis der Transplantation. „Je länger ein Patient auf die Dialyse angewiesen ist, desto schlechter seien sein Zustand und desto schlechter seine Prognose insgesamt“, sagt Fornara. Die Dauer der Dialyse ist eines der wichtigsten Kriterien für die Vergabe von Spendernieren.

„Die Patienten, die auf ein Spenderorgan warten, sind verzweifelt“, sagt Nierenspezialistin Silke Markau. Sie betont, dass jedes Jahr etwa 20 Prozent der Nierenkranken sterben, die auf eine Dialyse angewiesen sind. Und sie ärgert sich, dass aufgrund einiger schwarzer Schafe im Medizinbetrieb alle Transplantationszentren quasi in Mithaftung genommen werden. „Das hat den Patienten geschadet.“ Fornara und Markau verweisen vor diesem Hintergrund darauf, dass die Zahl der Lebendspenden zunimmt. Von den 40 Transplantationen in diesem Jahr kamen 17 Spenden von Angehörigen. Der Druck, diesen Schritt zu gehen, steige innerhalb der Familien, sagt Fornara.

Prüfung als Folge des Organspende-Skandals

Als Folge des Organspende-Skandals wurde die Prüfung aller deutschen Transplantationszentren beschlossen. In der vergangenen Woche war das hallesche Nierentransplantationszentrum an der Reihe. Das Ergebnis lautet: Es arbeitet korrekt, wie der Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums, Thomas Klöss, am Mittwoch bekannt gab. Der Kommission gehören Vertreter der Bundesärztekammer, der Deutschen Krankenhausgesellschaft sowie des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen an.

Bereits unmittelbar nach bekanntwerden der Manipulationen in Lebertransplantationszentren wurde in Halle eine interne Prüfung des Nierentransplantationszentrum eingeleitet. „Unsere Ergebnisse wurden nun durch die externe Untersuchung bestätigt“, sagte Klöss. Und Fornara fügte hinzu: „Die Qualität unserer Arbeit und die Führung unserer Warteliste sind von der Kommission ausdrücklich gelobt worden.“

Vor dem Nierentransplantationszentrum in Halle wurde das Lebertransplantationszentrum der Uniklinik Magdeburg geprüft – ebenfalls ohne jede Beanstandung. Das gelang nur vier der deutschlandweit 24 Zentren. „Die Transplantationsmedizin in Sachsen-Anhalt hat Vorbildfunktion für ganz Deutschland“, lautet das Fazit von Ärztekammerpräsidentin Simone Heinemann-Meerz.