Psoriasis greift auch die Nieren an

 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Psoriasis haben ein erhöhtes Risiko, eine chronische Nephropathie zu entwickeln.

Daten von 136.529 Patienten mit leichter und 7354 Patienten mit schwerer Psoriasis
Daten von 136.529 Patienten mit leichter und 7354 Patienten mit schwerer Psoriasis

(ES/AP) Das berichten US-amerikanische Ärzte im «British Medical Journal». Die Forscher um Professor Dr. Joel M. Gelfand von der University of Pennsylvania ergänzen damit die bereits relativ lange Liste möglicher Komorbiditäten der Psoriasis um eine weitere.    Neben der Psoriasis-Arthritis, von der jeder fünfte Patient mit Schuppenflechte betroffen ist, sind unter anderem die Inzidenzen von Adipositas, Dyslipidämie, Diabetes, Bluthochdruck, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und Depressionen bei Psoriasis-Patienten erhöht. Darüber hinaus gab es in kleineren Studien immer wieder Hinweise darauf, dass auch die Nieren von der chronisch-entzündlichen Erkrankung in Mitleidenschaft gezogen werden. Gelfand und Kollegen untersuchten diesen Verdacht jetzt mittels einer populationsbasierten Kohortenstudie.    Sie analysierten die Daten von 136.529 Patienten mit leichter und 7354 Patienten mit schwerer Psoriasis sowie von 689.702 Kontrollpersonen aus einem britischen elektronischen Patientenverzeichnis. Mittelschwere bis schwere, nicht aber leichte Psoriasis war mit einem erhöhten Risiko für ein chronisches Nierenleiden assoziiert. Das Risiko stieg mit dem Alter.

Die Forscher errechneten anhand ihrer Ergebnisse, dass schwere Psoriasis bei 40- bis 50-Jährigen für einen zusätzlichen Fall chronischer Nephropathie pro 134 Patienten und Jahr verantwortlich ist, in der Altersgruppe der 50- bis 60-Jährigen sogar für einen zusätzlichen Fall pro 62 Patienten jährlich.    Der Zusammenhang bestand unabhängig von klassischen Risikofaktoren wie Diabetes, Bluthochdruck und Einnahme nephrotoxischer Arzneistoffe. Der zugrunde liegende Mechanismus ist noch unklar, doch vermuten die Autoren Störungen der T-Zell-Funktion und erhöhte Level von Immunkomplexen als mögliche Ursache. Als weitere mögliche Erklärung schlagen sie Schäden der Tubuli durch erhöhte Harnsäurespiegel vor.    Als Konsequenz für die Praxis raten die Forscher zu einer engmaschigen Überwachung der Nierenfunktion bei Patienten mit Psoriasis-Läsionen auf mindestens 3 Prozent der Körperoberfläche. Vor Einsatz potenziell nephrotoxischer Arzneistoffe wie Ciclosporin oder Methotrexat sollte bei ihnen eine besonders kritische Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen. (am)