US-Patienten lehnen “Risiko-Organe” eher ab

Tatsächliche Infektionsgefahr liegt bei weniger als einem Prozent

(ANÖ/Pressetext). Ärzte müssen in den USA Patienten erklären, was es heißt, ein Organ eines Menschen zu bekommen, der an einer Überdosis gestorben ist. Sie gehören wie Häftlinge oder Menschen, die Sex für Drogen oder Geld hatten, zu einer wachsenden Gruppe, die über ein erhöhtes Risiko für Hepatitis C oder HIV verfügen. Laut der University of Michigan http://umich.edu führt die Klassifizierung aber zu Problemen. Die Kennzeichnung von Organen mit erhöhtem Infektionsrisiko bewirkt, dass jährlich hunderte Organe nicht für eine Transplantation infrage kommen.

Viele Organe nicht transplantiert

Trotz des sehr geringen Risikos einer Krankheitsübertragung werden diese Organe von Patienten abgelehnt. Sie machen heute eines von fünf Spenderorganen von Verstorbenen aus. Laut Forschungsleiter Daniel Kaul müssen Mediziner und Patienten besser über das tatsächliche Risiko informiert werden. Die Analyse von Daten des Organ Procurement and Transplantation Network hat ergeben, dass Organe, die mit einem erhöhten Risiko gekennzeichnet sind, um sieben Prozent weniger wahrscheinlich transplantiert werden.

Zusätzlich unterschied sich die Nutzung dieser Organe geografisch stark. Je nach Herkunft der Organspender wurden Nieren von Erwachsenen zwischen 20 und 100 Prozent transplantiert. Ohne den Hinweis auf ein erhöhtes Risiko könnten laut der Studie in den USA jährlich 313 zusätzliche Transplantationen durchgeführt werden. Alle Organe von Risikospendern wurden mit Ausnahme von Lebern deutlich seltener genutzt. Hier waren die Transplantationszahlen nahezu gleich. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass Patienten mit einem Leberversagen zu krank sind, um ein Organ abzulehnen. Patienten, die hingegen eine Niere brauchen, können die Dialyse fortsetzen und auf ein anderes Spenderorgan warten.

2015 gibt es verschärfte Kriterien

Bei vielen Patienten mit einem Organversagen ist die unmittelbare Gefahr zu sterben größer als das Risiko, ein infiziertes Organ zu erhalten. Nach Analysen liegt das Risiko einer Übertragung von HIV oder Hepatitis C durch ein Spenderorgan bei weniger als einem Prozent. Dieser Wert ist deutlich niedriger als das Risiko, an Krebs oder bei einem Autounfall zu sterben. Die Forscher analysierten Daten für die Jahre 2010 bis 2013. Der Anteil der Organe mit einem Risiko, die nicht eingesetzt werden, dürfte heute laut Studie noch höher sein.

2015 wurden die Kriterien durch das United States Public Health Service verändert. Mit der Opioid-Epidemie kam es zum Anstieg von Organen mit einer Risikobezeichnung von zwölf auf 20 Prozent. Im Oktober 2017 waren 116.500 US-Amerikaner auf eine Organtransplantation angewiesen. Die aktuellen Forschungsergebnisse sind in “Transplantation” nachzulesen.

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