Wien überprüft Gangbetten

PHC Mariahilf öffnete wegen Grippewelle am Sonntag: Nur vier Patienten in Praxis

(ANÖ/APA). Wien – Der frühe Beginn der Grippewelle war zwischen den Weihnachtsfeiertagen eine besondere Herausforderung für Patienten, Ärzte und Ambulanzen. Viele niedergelassene Ärzte hatten wegen Urlaubs geschlossen, die Patienten mussten in den Spitalsambulanzen lange Wartezeiten in Kauf nehmen, in den Wiener Spitälern mussten zahlreiche Patienten in Gangbetten untergebracht werden. Patientenanwältin Sigrid Pilz machte vergangene Woche die Urlaubsplanung der niedergelassenen Ärzte für die steigende Zahl an Gangbetten mitverantwortlich. Die Wiener Ärztekammer zog in einer Aussendung am Montag dennoch positive Bilanz über die Versorgung während der Weihnachtsfeiertage. Knapp zwei Drittel der Hausärzte seien in dieser Zeit im Einsatz gewesen, geht aus Zahlen des Ärztefunkdiensts hervor, der über alle Urlaubs- und Krankmeldungen der niedergelassenen Ärzte verfügt.

PHC auch am Sonntag geöffnet

Um die Ambulanzen zu entlasten, entschloss sich Wolfgang Mückstein, ein Arzt des Primary-Health-Care-Zentrums Mariahilf, die Ordination auch am vergangenen Sonntag zu öffnen. Von 10 bis 15 Uhr waren die Ärzte bereit, Patienten zu betreuen, doch in dieser Zeit kamen nur vier Patienten, berichtet der Arzt auf Facebook. Wiens Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) lässt nun die Situation überprüfen, wie sie am Montag in einer Aussendung mitteilte. Gleichzeitig ortete sie „politische Kampagnen“, die auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen würden. „In allen Bereichen werden absolute Spitzenleistungen erzielt, die diese angespannte Situation mit Professionalität bewältigen.“ Dass Mitarbeiter nun „angepatzt“ würden, dagegen wehre sie sich mit Nachdruck.

„Angespannte Situation“

Gleichzeitig wies Wehsely darauf hin, dass die angespannte Situation „nicht zu verleugnen“ und eine Überprüfung der jeweiligen Abläufe bereits angeordnet worden sei: „Das Bettenmanagement wird in den einzelnen Häusern vorgenommen. Ich habe die Generaldirektion bereits veranlasst, hier die Berichte aus jedem Haus anzufordern, die sorgfältig geprüft werden.“ „Warum die entwickelten Prozedere in einzelnen Bereichen besser und in anderen schlechter funktionieren, wird analysiert und bereinigt“, versprach Wehsely. Klar sei jedoch auch, dass die Spitalsambulanzen entlastet werden müssten – und das nur mit einer besseren Einbindung des niedergelassenen Bereichs funktionieren werde. „Gangbetten sind ein unerträglicher Zustand, und es werden vielfältige Maßnahmen gesetzt, diesen zu beenden“, sagte Wehsely. Möglich sei etwa das Öffnen und interdisziplinäre Besetzen von Abteilungen oder das Rückholen von Mitarbeitern aus dem Urlaub.

Kommentar von Egon SaurerWiens Gesundheitsstadträtin lebt in einer anderen WeltNicht mehr ernst nehmen kann man die Aussagen von Wiens Gesundheitsstadträtin, dass die Diskussion über die haarsträubenden Zustände in Wiens Gemeindespitälern (Gangbetten, überfüllte Ambulanzen und Kassenpraxen, immer mehr Wahlärzte im niedergelassenen Bereich, Geldverschwendung im KAV und beim Bau des Krankenhauses Nord), wenn sie meint, dass die Diskussion über menschenunwürdige Gangbetten bei grellem Licht in „ihren“ Spitälern als politische Kampagnen auf dem Rücken der Mitarbeiter laufen würde. Besser wäre es, wenn sie sich als Sozialdemokratin für diese Zustände, die die Gesundheitspolitik in Wien seit Jahren anrichtet, in Grund und Boden schämen würde. Immerhin sind bereits alte Menschen auf einem Gang in einem Wiener Gemeindespital verstorben. Den Vogel schießt auch Wiens Patientenanwältin ab, die das chronische Versagen in der Wiener Gesundheitspolitik den niedergelassenen Ärzten wegen ihrer Urlaubsplanung in die Schuhe schiebt.

Versagen der Politik auf ganzer Linie

Die Betten sind ja in den Spitälern vorhanden. Die Räume auch. Das Personal wird aber nur nach den offenen systemisierten Betten berechnet, Frau Gesundheitsstadträtin. Das sind die Verordnungen der Politik. Daher – um nicht mehr Personal zu benötigen als Wiens Politik verordnet hat, werden die Betten auf den Gang gestellt und nicht „gezählt“. Sozusagen „Geisterbetten“. Das Personal der Stationen kann wirklich nichts dafür, die machen das sicher nicht freiwillig, weil nur mehr Arbeit ohne mehr Personal. Die eigenen Verordnungen sollte man halt schon noch als spitzenbezahlte Stadträtin kennen. Aber angesichts des Zustandes des politischen Personals in diesem Land ist es gut zu wissen, sich in den nächsten Jahren nicht mehr zu viel zu erwarten: Österreich auf den Verschiebebahnhof!

 

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