KAV-Spitalsärzte: Von Einigung kann keine Rede sein

Ärztekammer lädt SP-Gemeinderat zu einer Spitalsführung ein – Überfüllte Ambulanzen und lange OP-Wartezeiten prägen den Berufsalltag

Auch könnte Herr Wagner dann erkennen, dass die von der Gemeinde Wien stets geleugneten Gangbetten in allen KAV-Häusern traurige Realität sind.

In einer Aussendung der Wiener Ärztekammer heißt es: „Auch könnte Herr Wagner dann erkennen, dass die von der Gemeinde Wien stets geleugneten Gangbetten in allen KAV-Häusern traurige Realität sind.“

(ANÖ/OTS). Wien – Zwischen der Ärztekammer für Wien und dem Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) beziehungsweise der Gemeinde Wien gibt es keine Einigung hinsichtlich des Konflikts um die Arbeitszeiten, sondern lediglich ein erstes Zwischenergebnis. Allfällige Protestmaßnahmen bis hin zu Streiks im Falle einer nicht zustande gekommenen Einigung sind weiter aufrecht. Es sei jetzt für den KAV und die Gemeinde Wien das Gebot der Stunde, die Gelegenheit zu nutzen, die in den Gesprächen erzielten Absichtserklärungen auch tatsächlich umzusetzen.

Wiener SPÖ soll sich selbst ein Bild von den Gemeindespitälern machen

Statt sich um das Geld der Ärzteschaft und die im kommenden Jahr anstehenden Ärztekammerwahlen zu sorgen, wäre SPÖ-Gemeinderat Kurt Wagner gut beraten, sich selber einmal ein Bild von „seinen“ Spitälern zu machen. Er wäre entsetzt über die dort seit Monaten andauernden Personalkürzungen, Leistungseinschränkungen sowie die permanente Überforderung des gesamten Personals. Überfüllte Ambulanzen, lange OP-Wartezeiten sowie immer weniger Zeit für den einzelnen Patienten prägen nämlich den Berufsalltag von Ärztinnen und Ärzten, Pflegepersonal sowie den weiteren Mitarbeitern der Häuser.

Es sei beschämend, dass eine ehemals sozialorientierte Partei wie die SPÖ wider besseren Wissens ein solidarisch aufgebautes und ehemals sehr gut funktionierendes Gesundheitssystem in Wien bewusst an die Wand fahre. Die Ärztekammer werde jedenfalls auch zukünftig vor den Missständen im Wiener Gesundheitssystem, die neben jenen im KAV auch die permanente Ausdünnung des extramuralen Bereichs betreffen, warnen und sich nicht von politischen Drohgebärden zurückschrecken lassen, verlautet aus der Ärztekammer.

Gangbetten sind eine Realität! (Kommentar von Egon Saurer)Im Juni 2016 verstarb eine 70-jährige Patienten im Wiener Donauspital an einem Herz-Kreislauf-Versagen in einem Gangbett. Die Wiener Pflege- und Patientenanwältin nimmt Beschwerden aus dem Gesundheits- und Sozialwesen entgegen. „Wir prüfen Mängel oder Missstände und bieten Lösungsvorschläge an“, heißt es auf der Webseite der Patientenanwaltschaft. Die Proteste der Wiener Patientenanwältin hörte man in den letzten Wochen und Monaten vergeblich, wenn es um überfüllte Ambulanzen, lange Wartezeiten und Gangbetten ging. Wie die Tageszeitung „Kurier“ berichtete, mussten allein im Mai in der Rudolfstiftung 21 Patienten am Gang schlafen. Im Wilheminenspital sollen täglich zwischen 35 bis 45 Patienten am Gang schlafen müssen. Das ist eine Momentaufnahme. In Wahrheit sind die Missstände in Wiens Spitälern seit 25 Jahren bekannt. Aber Wien ist eben anders und verfügt über die „höchste Lebensqualität“ aller vergleichbaren „Weltstädte“. Die Lebensqualität auf Gangbetten eingerechnet?

 

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