Tagung der Arge Niere Österreich vom 8. bis 10.4.2016 in Kufstein in Tirol

Orgelkonzert als Einstimmung am Freitagabend und Heilige Messe als Abschluss am Sonntagvormittag

Tirols Obmann Egon Saurer begrüßte in der Stadtpfarrkirche Kufstein die Gäste

Tirols Obmann Egon Saurer begrüßte in der Stadtpfarrkirche Kufstein die Gäste [@VNT/Anton Leitner]

(VNT/ES). Die 29. Arbeitstagung der Arge Niere Österreich (ANÖ) wurde in diesem Jahr in Tirol abgehalten. Als Gastgeber organisierte der Verein Nephro Tirol die Veranstaltung. Insgesamt nahmen aus ganz Österreich, Bayern und Südtirol 34 Teilnehmer an der Tagung mit Rahmenprogramm teil. Höhepunkt der Veranstaltung war ein Empfang für die Delegierten am Samstagabend des Landes Tirol und der Stadt Kufstein. Als Tagungsstätte wurde das Hotel Kufsteinerhof ausgewählt. Die Teilnehmer wurden nach der Tradition der Tiroler Gastfreundschaft herzlich und freundlich aufgenommen. Auf den Zimmern wurde die Menükarte für den Empfang am Samstagabend und das Rahmenprogramm für die Begleitgäste aufgelegt.

Dechant Thomas Bergner mit nachdenklichen Versen beim Orgelkonzert [@VNT/Anton Leitner]

Dechant Thomas Bergner mit nachdenklichen Versen beim Orgelkonzert [@VNT/Anton Leitner]

Im Vorfeld der Tagung und zur Vorbereitung der Arbeitskonferenz am Samstag fand am Freitag um 16.30 Uhr auch eine Vorstandssitzung der ANÖ statt. Themen, die zur weiteren Beratung an die Hauptkonferenz delegiert wurden, waren unter anderem eine fragmentarische Anpassung der Statuten sowie der Finanzbericht und die Einladungsmodalitäten der Gesellschaft.

Orgelkonzert in der Stadtpfarrkirche Kufstein

Bereits zur Einstimmung auf die Tagung organisierte „Nephro Tirol“ am Freitagabend um 18 Uhr ein festliches Orgelkonzert in der Stadtpfarrkirche Kufstein. Dietrich Oberdörfer, der auch Vorsitzender des Südtiroler Vereins „Nierene“ ist und dem selbst eine Niere transplantiert wurde, spielte für uns Werke von Johann Sebastian Bach, Padre Davide da Bergamo und Girolamo Prescobald auf der Pirchner-Orgel. Nach der Begrüßung durch Tirols Obmann Egon Saurer und der Vorstellung der Werke, konnte Pfarrer Thomas Bergner während den Pausen mit nachdenklichen Texten überzeugen. Auf dem Volksaltar wurde die Kerze des Vereins Nephro Tirol für alle Organspender entzündet. Im Anschluss wurden alle Teilnehmer in den Pfarrhof zu einer Agape eingeladen.

Rudolf Brettbacher, Präsident der Arge Niere Österreich begrüßte in Kufstein die Tagungsteilnehmer und eröffnete die Arbeitssitzung [@VNOÖ/Chrisitan Deimel]

Rudolf Brettbacher, Präsident der Arge Niere Österreich begrüßte in Kufstein die Tagungsteilnehmer und eröffnete die Arbeitssitzung [@VNOÖ/Chrisitan Deimel]

Am Samstag nach dem reichhaltigen Frühstück eröffnete Präsident Rudolf Brettbacher in der „Society Lounge“ des Tagungshotels die Arbeitssitzung. Begrüßte sehr herzlich vor allem Anne Kunkel aus Bayern, die erst unlängst ihren Max verloren hat. Max Kunkel war als Vertreter des Landesverbandes Bayern e.V. immer gerne zu den Arbeitstagungen mit seiner liebenswürdigen Anne nach Österreich gefahren. Als Vertreter des bayerischen Verbandes begrüßte Präsident Brettbacher Franz Nowy daher ebenfalls freundlich. Milan Osterc aus Slowenien konnte diesmal leider nicht nach Kufstein kommen. In der Begrüßung bedankte sich Brettbacher noch einmal bei Dietrich Oberdörfer für das wunderbare Orgelkonzert. Auch wurden die Veranstalter der Tagung rund um Egon Saurer für die Vorbereitung der Tagung gewürdigt. Nach der Einleitung und Begrüßung wurden die Partnerinnen in das Rahmenprogramm entlassen. Die offizielle Tagung der ANÖ konnte beginnen!

Anpassung der Vereinsstatuten und der Geschäfstordnung

Zu Beginn wurde im Rahmen eines Totengedenkens für Max Kunkel (Bayern) und Dr. Manfred Nachbaur (Vorarlberg) gedacht. Weiters wurde das Protokoll der letzten Arbeitssitzung vom Herbst 2015 einstimmig von der Versammlung bestätigt und angenommen. Der von Gernot Waste vorgetragene Finanzbericht wurde ebenfalls mit einer Enthaltung (Kassier) angenommen und der Vorstand entlastet. Es folgten in der Tagesordnung die Anträge aus der Vorstandssitzung: Egon Saurer wurde beauftragt einen Entwurf für Änderungen in den Statuten auszuarbeiten. Ebenfalls müsse die Geschäftsordnung neu überarbeitet werden. Diese sollen nach Möglichkeit bei der Herbsttagung in Wien vorgelegt und zu diskutiert werden. Ein weiterer Schwerpunkt der Debatte waren die internationalen Verbindungen der Arge Niere mit den Nachbarländern. Mit Bayern und Slowenien bestehen ja schon Kontakte.  Präsident Rudolf Brettbacher regte an auch mit der Schweiz und Deutschland Verbindungen aufzunehmen und die Beziehungen zu vertiefen. Auch die Beiträge der Bundesländer an die Arge Niere waren Bestandteil der Debatte. So wurde ein Antrag für 2016 angenommen, vorerst eine Deckelung einzuziehen. Dem  Vorstand wurde Auftrag erteilt, an einem neuen Beitragssystem zu arbeiten. In seinem Grußwort an die Arge Niere bedankte sich Franz Nowy vom Landesverband Niere Bayern e.V. nicht nur für die Einladung, sondern berichtete vor allem nach dem plötzlichen Ableben des Landesvorsitzenden Max Kunkels von einer schwierigen Situation. Er habe es sich zur Aufgabe gemacht, als Stellvertreter den Verband „nicht hängen“ zu lassen und bemühe sich um den Fortbestand der Interessensvertretung. 2017 würden Neuwahlen stattfinden, dann müsste die Generalversammlung einen neuen Vorstand bestellen. Die Organspende in Deutschland sei auf einem Rekordtief angelangt. Und für Veranstaltungen mit einer Dimension von mehr als 270 Gästen werde es immer schwieriger geeignete Unterbringungs- und Tagungsmöglichkeiten in Deutschland zu finden.

Tagung

Lebhafte Diskussion bei der Tagung in Arbeitsgruppen: (vlnr) Andrea Leitner, Elisabeth Kahnert, Rolf Klinger, Otto Hörburger, Dietrich Oberdörfer, Karin Wohlschlager [@VNOÖ/Christian Deimel]

Ein weiterer Punkt der Tagung war die Homepage der Arge Niere Österreich und der im Verbund angeschlossenen Bundesländerseiten. Rudolf Brettbacher zeigte sich sichtlich erfreut über die steigenden Besucher- und Zugriffszahlen. So besuchten im Schnitt 5000 bis 6000 User bei mehr als 40.000 Zugriffen pro Monat die Arge Niere Hauptseite. Erfreulich sei nun auch die Umstellung Kärntens auf die neue Homepage in den ANÖ-Verband. Einheitliches Auftreten ist Präsident Brettbacher ein Herzensanliegen.

Kritik an Rezeptgebührenorbergrenze und Brief an den Hauptverband

Lebhaft wurde über die Rezeptgebührenobergrenze debattiert. Rolf Klinger aus der Steiermark erläuterte, dass immer mehr Medikamente die Rezeptgebühr von derzeit 5,70 Euro unterschreiten und daher weder bei der Rezeptgebührenbefreiung noch bei der 2 Prozent Deckelung berücksichtigt würden. In der Diskussion wurde angeregt konkrete Zahlen zu eruieren. Präsident Brettbacher will im Auftrag der ANÖ ein Schreiben an den Hauptverband der Sozialversicherungsträger vorbereiten. In Gruppenarbeiten wurde auch die „Strategie ANÖ 2025“ erarbeitet. Wohin will die Arge Niere und was will und soll sie bewirken? Interessante Details, wie z.B. mehr Öffentlichkeitsarbeit und Unterstützung für die Bundesländervereine wurden gefordert.

Univ. Prof. Dr. Alexander Rosenkranz erläuterte durchaus humorvoll und verständlich das Konzept "Niere schützen" der ÖGN [@VNOÖ/Christian Deimel]

Univ. Prof. Dr. Alexander Rosenkranz erläuterte durchaus humorvoll und verständlich das Konzept „Niere schützen“ der ÖGN [@VNOÖ/Christian Deimel]

Univ. Prof. Dr. Alexander Rosenkranz ist direkt aus Graz nach Kufstein angereist und hat sehr eindrucksvoll das Projekt „Niere 60/20 – Niere schützen“ erläutert. Er untermauerte die Tatsache, dass bisher die Steiermark, Kärnten und Vorarlberg das Projekt vorantreiben. In der Steiermark sei das Konzept bereits Grundlage der Landeszielsteuerungskommission. In Kärnten laufen die Bemühungen in eine „fruchtbringende Zukunft“, weil der dortige Patientenverband unter Obmann Gernot Waste sehr zielorientiert mit Politik und der Kärntner Gebietskrankenkasse (KGKK) verhandle. Mit dem Konzept „Niere 60/20“, nunmehr „Niere schützen“ bietet die Österreichische Gesellschaft für Nephrologie (ÖGN) ein Modell, anhand dessen die wichtigsten Richtwerte der Nierenfunktion definiert werden. Demnach sind Patienten mit Risikokonstellationen bei einer eingeschränkten Nierenfunktion von 60 Prozent durch einen Allgemeinmediziner an einen Nephrologen bzw. in eine zentrale Einheit zuzuweisen. “Ab einer Nierenfunktion von unter 60 Prozent steigt das Risiko für eine kardiovaskuläre Erkrankung wie etwa Herzinfarkt oder Schlaganfall. Zu diesem Zeitpunkt können wir aber noch intervenierende Maßnahmen setzen”, erklärt Univ.-Prof. Dr. Alexander Rosenkranz. Zusätzlich ist eine umfassende Aufklärung des Patienten über die Wahlmöglichkeiten der patientenspezifisch optimalen Nierenersatztherapie bei einer Funktionsleistung von weniger als 20 Prozent einzuleiten. Um diese Maßnahmen auch adäquat umsetzen zu können, wird gleichzeitig die Einrichtung ausreichender, zentraler Versorgungseinheiten gefordert. So kann die Zuweisung von Patienten optimal medizinisch und organisatorisch durchgeführt werden.

Ehrentisch

Ehrengäste beim Empfang: (vlnr: Anneliese Heidegger-Ninz (VNT), Univ. Prof. Dr. Gert Mayer, Rudolf Brettbacher (ANÖ), Primar Prof. Dr. Karl Lhotta (ÖGN), Univ. Prof. Dr. Alexander Rosenkranz, Bürgermeister Mag. Martin Krumschnabl und Landtagspräsident DDr. Herwig van Staa [@VNOÖ/Christian Deimel]

Am Samstagabend um 19 Uhr hat der Verein Nephro Tirol als Gastgeber für die Arge Niere Österreich einen Empfang des Landes Tirol und der Stadt Kufstein organisiert. Als Ehrengäste nahmen seitens des Landes Tirol der Präsident des Tiroler Landtages DDr. Herwig van Staa und der Bürgermeister der Bezirkshauptstadt Kufstein Mag. Martin Krumschnabl teil. Die medizinischen Berufe waren durch den Präsidenten der Österreichischen Gesellschaft für Nephrologie Primar Prof. Dr. Karl Lhotta und Univ. Prof. Dr. Gert Mayer als Direktor der Inneren Medizin IV, Medizinische Universität Innsbruck, und Univ. Prof. Dr. Alexander Rosenkranz, Leiter der klinischen Abteilung für Dialyse und Nephrologie, Medizinische Universität Graz, vertreten. Egon Saurer, Obmann des Vereins Nephro Tirol, begrüßte in seiner Einleitung die Ehrengäste und Präsident Rudolf Brettbacher sehr herzlich. Er bedankte sich bei Bürgermeister Mag. Martin Krumschnabl für die Einladung als Gastgeber der Stadt Kufstein und bei Landtagspräsident DDr. Herwig van Staa für sein Kommen und seine Unterstützung. In seinen Grußworten würdigte er die Zusammenarbeit des Vereins mit Univ. Prof. Dr. Gert Mayer. In seiner Ansprache bedankte sich Bürgermeister Mag. Martin Krumschnabl bei der Arge Niere, dass sie Kufstein als Tagungsort gewählt habe und verwies auf die Fachhochschule mit seinen mehr als 1400 Studenten. Es sei auch ein Anliegen der Stadt immer mehr Kongresse und Tagungen nach Kufstein zu bringen. Der Bürgermeister würde sich auch freuen, wenn der eine oder andere Teilnehmer auch privat einmal nach Kufstein kommen würde.

Herzlicher Empfang von Stadt und Land im Hotel Kufsteinerhof – Bürgermeister und Tiroler Landtagspräsident als höchste Vertreter

Für das Land Tirol überbrachte der ehemalige Landeshauptmann von Tirol und Bürgermeister der Stadt Innsbruck und nunmehrige Präsident des Tiroler Landtages DDr. Herwig van Staa seine Grußworte: Auch er freute sich, dass Tirol wieder als Tagungsort ausgewählt wurde. Vehement sprach er sich gegen eine Zweiklassenmedizin aus, die es aber in manchen Bereichen mittlerweile tatsächlich gebe. So verwies er in seinen Grußworten auch auf das prosperierende Kufstein und hob nicht nur das Landeskrankenhaus Kufstein, sondern auch die Fachhochschule hervor. Er sei auch gerne gekommen und habe bereits 2009 bei der Tagung der Arge Niere in Innsbruck die Grußworte des Landes überbracht. Primar Prof. Dr. Karl Lhotta begrüßte als derzeitiger Präsident der ÖGN die Tagungsgäste und sei ebenfalls gerne aus Feldkirch nach Kufstein gekommen. Primar Lhotta verwies einerseits auf das Konzept „Niere 60/20“ und andererseits auf die Nierenerkrankungen, die zum Teil epidemische Ausmaße annehmen kann. Die ÖGN bekenne sich zum Aufklärungsbogen und die freie Wahl des Dialyseverfahrens für die Patienten.

Blick zu den Tagungsgästen im Restaurant [@VNOÖ/Christian Deimel]

Blick zu den Tagungsgästen im Restaurant [@VNOÖ/Christian Deimel]

Als Präsident der Arge Niere Österreich (ANÖ) begrüßte Rudolf Brettbacher ebenfalls nochmals die Gäste und Ehrengäste und freute sich sichtlich über die Veranstaltung. Auch Brettbacher ging auf die Entwicklung der beiden Gesellschaften ein und forderte eine enge Zusammenarbeit zwischen ÖGN und der ANÖ. International sei die Arge Niere in die European Kindney Patients Federation (EKPF) eingebettet. Nach den Ansprachen konnte das Menü serviert werden. Die Stimmung war derart positiv, dass selbst die Ehrengäste die Veranstaltung mit ihrer langen Anwesenheit auszeichneten und sich sehr gesellig in der Runde bewegten. Nur Bürgermeister Mag. Martin Krumschnabl musste aufgrund eines weiteren Termins etwas früher die Veranstaltung verlassen.

Laengle

Gut gelaunt der Ehrenpräsident der Arge Niere Österreich Erich Längle [vlnr): Anne Kunkel, Erich und Lotte Längle, Brigitte Hörburger

Ein Großteil der Delegierten besuchte am Sonntag nach dem Frühstück um 10:00 Uhr gemeinsam mit den Tiroler Gastgebern die Heilige Messe. Die Messe wurde von Pfarrer Thomas Bergner geleitet und musikalisch von einem Gitarristen gestaltet. Während der Eucharistiefeier brennte am Volksaltar die Kerze des Vereins Nephro Tirol zum Gedenken an alle verstorbenen Organspender. Dechant Thomas Bergner begrüßte in seiner Sonntagspredigt die Teilnehmer der Arge Niere Tagung und erklärte, dass ihm der Leitsatz der Nierenselbsthilfevereine „Wir dürfen weiterleben“ beschäftigt habe. Die Tagung begann am Freitag als Einstimmung mit einem Orgelkonzert und nachdenklichen Versen und endete am Sonntag mit dem Besuch der Heiligen Messe. „Wir dürfen weiterleben – Organspende schenkt Leben“, mit dieser zentralen Botschaft konnte die Tagung in Tirol beendet werden.

Kufsteinerhof

Gastfreundschaft war hoch geschrieben: Im Bild das Tagungshotel Kufsteinerhof in Kufstein

This entry was posted in Aktuelle Nachrichten, ANÖ. Bookmark the permalink.